PEINLICH!
ANNsicht N°9 - März 2023
Das zurzeit meistgehörte Wort in meinem Leben: Peinlich!
Nur dummerweise bin ich es, die bei allem und in jeder Lebenslage peinlich ist… sagt meine Tochter. Ich verstehe: es hat eine neue Zeit begonnen, die „Beste-Mami-der-Welt“-Zeiten sind vorbei und die Welt wird mit neuen Augen betrachtet. Schleier fallen und neue Ideen kristallisieren sich.
Sitze ich im Auto und singe fröhlich vor mich hin – peinlich!
Mein Auto – peinlich!
Tanze ich in der Küche und drehe das Radio noch etwas lauter – peinlich!
Meine „antiquierten“ Ansichten zu Handy-Zeiten & Co. – peinlich!
Höchstwahrscheinlich ist auch dieser Text einfach nur … peinlich.
ES IST SCHON SO VIELES PEINLICH, dass ich mich frage, ob noch irgendetwas normal ist. Wer will schon peinlich sein? Peinlich bedeutet schmerzhaft – so löse ich also in bestimmten Situationen Schmerzen bei meinem Gegenüber aus – unbewusst und ungewollt – einfach durch meine Art und in einem bestimmten Moment. Genau hier wird etwas im Anderen getriggert, ploppt blitzschnell und ohne Vorankündigung an die Oberfläche – und der Film beginnt.
Manchmal ist es auch einfach nur peinlich, anders zu sein: mit seiner Meinung oder seinem Outfit; nicht mehr getarnt und im Gleichschritt in der Menge mitschwimmen können, sondern sich und sein ganzes wundervolles Sein annehmen. Ja, das kann manchmal schwer sein, anstrengend und auch schmerzhaft = peinlich zugleich, aber je früher wir lernen, uns authentisch zu zeigen, desto leichter wird es.
UND NICHT NUR LEICHTER, AUCH SEHR VIEL SCHÖNER! Ehrlich, wahrhaftig, ohne Masken, ohne Hintergedanken, ohne Unterlegungen. Dazu gehört anfangs Mut – in jungen Jahren sogar viel Mut, denn sich als Erster aus der Masse zu lösen und zu sagen „ich mach das anders“ ist ein gewaltiger Schritt. Natürlich fühlt sich das anfangs fremd an, denn was wir bzw. unsere Kinder leben, ist „das Leben der anderen“ (haben wir schon im gleichnamigen Kinofilm gesehen). Ob Insta, Snapchat, … die Liste ist endlos: wir schauen bei den anderen, vergleichen, wollen genauso schön oder erfolgreich sein, urteilen, werten. All das schafft – ohne dass wir uns dessen bewusst sind – Abtrennung und neuen Schmerz.
Das eigene Sein wieder entdecken ist in diesen Zeiten nicht leicht – und doch essentiell, um aus diesem Schmerz herauszukommen, besser gesagt: ihn zu transformieren und aufzulösen.
UND DESHALB LIEBE ICH KARNEVAL! Dass ich dies als gebürtiges Nordlicht einmal sagen würde, hätte ich nie gedacht. Aber 7 Jahre in Düsseldorf haben mich was anderes gelehrt: Fröhlichkeit, Ausgelassenheit und wie ich es immer erlebt habe: Lebensnähe! Endlich dürfen auch die zugeknöpftesten Männer High Heels und Netzstrumpfhose tragen, Frauen vom Druck des perfekten Stylings Abstand nehmen, bei Büttenreden Meinungen ausgedrückt werden, die aus Angst vor Diffamierung 360 Tage zurückgehalten werden & vieles mehr. Hinter den bunten Masken trauen wir uns, Ansichten auszusprechen. Ideen und Bedürfnisse dürfen an die Oberfläche und einfach sein. Nichts ist peinlich, alles und jeder darf sein, wie & wonach er sich fühlt – in Achtung und Respekt voreinander.
MAN KANN KARNEVAL MÖGEN ODER NICHT, mitmachen oder es sein lassen, aber eines bleibt unbestritten: bei den Menschen ist eine Leichtigkeit in der Luft, wie ich es mir sehr viel öfter wünsche.
Auch dieses Jahr wurde ich von meiner jüngeren Tochter kurzfristig überredet, mit auf den Faschingsumzug zu gehen. So schnell wir ein verrücktes Kostüm für sie fanden, setzte ich mir nur einen Hut auf, und wir zogen vergnügt los.
Und da war es wieder: das alte Gefühl von Beschwingtheit, lebendig & echt.
Es gibt kein peinlich (außer man trägt einen langweiligen Hut… fällt unauffällig auf… in der bunten Menge), Karneval inspiriert, ja fordert sogar jedes Jahr aufs Neue auf: Zeige Dich, Sonnen- wie Schattenseiten, sage, was Du denkst oder fühlst und vertraue darauf, dass diese neue, wahrhaftige Sichtbarkeit gewünscht ist, möglicherweise sogar herbeigesehnt wird.
BIS DAHIN ATME ICH MICH DURCH JEDES „PEINLICH“, das mir vorgehalten wird. Und ja, manchmal fühlt es sich schmerzhaft an und ich zeige meinen Schmerz und ich mag es nicht mehr durchwinken oder „überhören“. Überhören ist wie Verdrängen und daher nur eine Frage der Zeit, wann eine ähnliche Verletzung in einem anderen Gewand neu auftaucht!
Auf meiner Website stehen diverse Atemübungen und darunter findest sicherlich auch Du eine Übung, die Dich durch den ein oder anderen „schmerzlichen“ Moment trägt. Beobachte einmal, was sich schon nach wenigen Atemzügen in Dir verändert!
UND IM ÜBRIGEN: ES IST KEINESWEGS PEINLICH, in einer Yogastunde nicht an seine Zehen zu kommen oder nur 3 Sekunden auf einem Bein stehen zu können. Es geht nicht um besser oder schlechter als andere sein. Lass einfach Yoga regelmäßig in Dein Leben einfließen und genieße es.
Mit einem tiefen Atemzug & Herzensgrüßen wünsche ich einen lichtvollen Tag
Deine Ann
Bring die Botschaft in die Welt
Wenn Dich meine ANNsicht inspiriert hat und Du sie mit jemandem teilen möchtest, dann empfehle meinen Blog gerne weiter und bring‘ meine Herzensbotschaften in die Welt!
Ideen, die bewegen, Bewegungen, die verändern, Veränderungen, die transformieren: aus der alten… in die neue Zeit.
Ich danke Dir!