ZEITRAFFER

AnnSicht N°28 - FEBRUAR 2025

„Raff’s doch mal!“

Wer kennt diese hitzige, fast schon treibende Aufforderung, vor allem im Sprachgebrauch unter Jugendlichen? Wenn sie z.B. bei etwas zuhören sollen, aber nicht daran interessiert sind, wenn sie zwar körperlich anwesend sind, jedoch vor sich hinträumen, wenn sie etwas lernen sollen, was sie allerdings für unwichtig halten.

Im Vorbeigehen an einer Gruppe Jugendlicher hörte ich kürzlich wieder den Spruch und erinnerte mich augenblicklich an früher.  Und schon sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen: der Zeit, in diesem Fall eher dem „Zeitraffer“. Denn „raffen“ meint in diesem Fall nichts anderes als „Denk‘ schneller, versteh‘ schneller, reagier‘ schneller, … mach am besten alles schneller!“ Ungeduld und Gereiztheit schwingen mit; Muße und Kontemplation? Fehlanzeige.

 

Politik ist zwar nicht mein Spezialgebiet, aber der jetzigen Regierung bin ich in gewisser Weise dankbar, dass sie uns aufgezeigt hat, wie unfassbar schnell Dinge lahmgelegt werden konnten und Systeme wie in einem Zeitraffer-Video kollabierten.

 

WIR LEBEN IN EINER ZEITQUALITÄT, IN DER ALLES IN WINDESEILE VERFLIEGT. Schauen wir also genau hin, um uns dann wieder auf eigene Kräfte sowie Fähigkeiten zu besinnen. Und dies von innen heraus, statt auf den tobenden Schlachtfeldern im Außen mitzumischen.

 

WIE KOMMT ES ZU DIESEM KOLLAPS DER ZEIT? Noch nie habe ich so oft gehört, wie schnell etwas vergeht. Sogar meiner Tochter fiel es auf: Weihnachten, Sylvester, Skiferien – monatelange Vorfreude und dann, schwupps, alles vorbei. Wir erleben diese gefühlten Zeitsprünge, fast schon „Zeitverschlucker“, weil wir verlernt haben, im Jetzt zu leben: Ein Leben in der Vergangenheit „Weißt du noch letzter Urlaub, das große Fest letztes Jahr, die Abschlussfeier der Grundschule“, aber auch Pläne für die Zukunft, wie z.B. Urlaube in den Schulferien. Ein Blick in den Kalender: 3 Wochen um Ostern und 6 Wochen im Sommer wollen organisiert werden. Und vor den Weihnachtsferien in den Bergen gerne noch ein wärmender Zwischenstop im Herbst? So planen wir Urlaub für Urlaub, oft schon zwei bis drei Jahre im Voraus. Ich kannte jemanden, der zum Zeitpunkt seines tragischen Unfalls noch weit über 100 offene Flüge hatte! 100 x in die Ferne reisen – oder ist es eher ein Flüchten?

 

UND ICH FRAGE MICH: IST DAS LEBEN IM HIER UND JETZT WIRKLICH SO UNERTRÄGLICH? Ist es in diesem Raum nicht mehr auszuhalten, dass ich jeden Moment schnell „weg“ muss? Wie wäre ein Richtungswechsel: Statt wegzurennen, hinein in den Raum. Klingt im ersten Moment unbequem und mein Verstand ist ganz und gar dagegen. Warum rein in den ungemütlichen Raum, wenn ich es woanders ganz entspannt und lauschig haben kann?

 

Weil es in Wahrheit weder entspannt noch lauschig ist. Weil in Wahrheit das ungemütliche Etwas überall hin mitgenommen wird, wo auch immer ich mich aufhalte. Und weil „Es“ mit Sicherheit auch am entferntesten Winkel dieser Erde an meine innere Tür klopfen wird.

 

ES IST ALSO EINE ILLUSION, etwas hinter sich lassen zu können, bevor ich „Es“ mir nicht einmal bewusst angeschaut habe. Welches „Es“? Alte Verletzungen, Trauer, Scham, Verurteilung, Angst, Wut, Eifersucht, Neid, … die Liste ist lang und jeder wird seine eigenen Themen am besten kennen.

 

Und wenn das Hineingehen, Ansehen, Annehmen eine noch zu große Hürde ist, dann verrate ich ein sehr einfaches, wie wirkungsvolles Tool, um zumindest nicht gleich wegzurennen: Ich habe eine App gefunden, die mich 4 x am Tag daran erinnert, für nur 3 Minuten anzuhalten – ja, auch wenn ich mit dem Auto oder Fahrrad unterwegs bin – aus dem Hamsterrad auszusteigen, um den eigenen körperlichen (und darüber hinaus) Raum wahrzunehmen & bewusst zu atmen. Das sind „Minuten-Räume“, in denen Platz geschaffen wird. Für Innehalten, Ruhe und Frieden.

 

Manchmal zeigt sich etwas Altes, das sich erst in der Stille wie ein zartes Pflänzchen durch die dunkle Erde schieben kann. Und das, um nur einmal ans Licht zu kommen und gesehen zu werden. Mehr nicht.

 

UND MANCHMAL LIEGT SCHON HIER, IN DIESEN ZWISCHENRÄUMEN, DAS GANZE WUNDER DER TRANSFORMATION UND HEILUNG.

 

Steigen wir diese paar Mal am Tag aus dem Zeitraffer aus, erlauben uns, nichts „raffen“ zu müssen, dafür aber wahrzunehmen. Lassen wir uns nicht mehr von Menschen oder Terminen treiben. Eine Idee, die nicht verstanden, sondern erlebt werden möchte, indem wir etwas Altes sterben lassen, um etwas Neuem den Raum zu geben.

 

Dieses Minuten-Experiment hat nebenbei einen wunderbaren Jungbrunnen-Effekt, denn Innehalten ist wie Zeit anhalten. Zeitraffer hingegen lassen uns altern, so sehr sind wir mit der Zeitmatrix verklebt, bewegen uns von Termin zu Termin, von Woche zu Woche und von Jahr zu Jahr. Kombiniert mit gelernten Programmen wie „ab 50 ist die Lebensmitte erreicht“, „ab 60 beginnen die letzten guten 15 Jahre“ und „ab 80 macht sich das Alter doch sehr bemerkbar“ hängen wir zu 100% in der Zeitmatrix.

 

ALSO: RAUS AUS DEN SYSTEMEN, REIN IN DIE KÖRPERINTELLIGENZ, in das wahrhaftige Leben.

 

Es mag zu Beginn ungewohnt scheinen, aber noch während dieser neuen Bewegung voller Selbstvertrauen incl. einem Quäntchen Mut, wird sich das Neue im Außen zeigen. Eine Welt ohne Hetze, ohne Zeitraffer, ohne volle Terminkalender und kein Ankämpfen gegen die Illusion der knappen Zeit.

 

Kleine Vorwarnung, falls nicht bereits geschehen: Der Verstand wird Dir täglich 100 Argumente aufzählen, dass Altbewährtes Sicherheit im Leben bietet und dass alles andere in dieser Zeit der reinste Wahnsinn wäre. Das ist nachvollziehbar, rauben wir unserem Verstand doch seine Basis und schaffen Raum für neue Freiheiten.

 

ABER SEIEN WIR GNÄDIG MIT IHM: WENN MAN BABYS VOM SCHNULLER ENTWÖHNT, SCHREIEN SIE AUCH ZU BEGINN… und nach kurzer Zeit finden sie von ganz alleine zur Ruhe.

 

Mit einem tiefen Atemzug & Herzensgrüßen wünsche ich Dir einen bewegten und lichtvollen Tag,

 

Deine Ann

 

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