OPFER ODER TÄTER?

AnnSicht N°13 - Juli 2023

„OPFER“ erwiderte meine Tochter im Vorbeigehen, als sich die andere über eine Situation in ihrem Leben beklagte. Opfer! Dieses Wort wird bei Jugendlichen gerne gesagt, um sein Gegenüber als „Loser“ oder „Schwächling“ dastehen zu lassen.

In mir stellten sich augenblicklich die Nackenhaare auf: Opfer – dieses Wort hat mich getriggert, hören wir doch in den Medien weltweit von Opfern. Nicht verwunderlich, dass dieses Wort (hoffentlich nur temporär) jetzt auch im modernen Sprachgebrauch eingesetzt wird – unpassenderweise für Loser. Erstaunlich, was dieses Wort für eine Gedankenflut in mir ausgelöst hat. Wir erzählen unseren Kindern was von Selbstbewusstsein, bekräftigen sie, auch in unbequemen Situationen zu ihrer Meinung zu stehen und erklären ihnen, im Leben Verantwortung zu tragen. Und im besten Fall leben wir ihnen all dies auch noch vor! Wahrscheinlich verfolgte mich deshalb dieses Wort auf Schritt und Tritt – aber warum eigentlich? Lösen wir uns einmal von der kleinen Geschichte zu Beginn.

MIT WORTEN WIE OPFER ODER TÄTER SIND WIR SOFORT IN DER BEWERTUNG: hier das arme, hilflose Opfer, dort der böse, zerstörende Täter. Beide Pole tragen ihr Bewertungs-Etikett, das entweder selbst oder auch gerne von der Außenwelt angehängt wird.

Die Wertung in der Betitelung „Opfer“ triggert mich deshalb so sehr, weil in einem Moment nicht nur unsere Größe, sondern auch unsere Fähigkeit, Dinge zu erschaffen zerschlagen wird. Als Opfer befinden wir uns in einem unangebundenem daher leidenden Zustand: zu schwach, um zu handeln, alle Schöpferkraft scheint verschwunden und vor allem: es ist so mühsam, vom Opfertum zurück in seine Schöpferkraft zu kommen!

DAS IST ÜBRIGENS DIE GLEICHE GESCHICHTE VON „MITLEID“: erzählt mir jemand was von Mitleid, zieht es mich eher runter, als dass es mich in irgendeiner Weise tröstet, bzw. erleichtert, so dass ich wieder in meine Kraft finde. Ich weiß: so haben wir es vor langer Zeit gelernt, so wird es in der Kirche gepredigt und so sind uns Floskeln wie „herzliches Beileid“, „tut mir leid“ zur antrainierten Gewohnheit geworden. Auch wenn es lieb gemeint ist: Längst Gelerntes darf nun ersetzt werden.

ZURÜCK ZUR VERMEINTLICHEN HANDLUNGSUNFÄHIGKEIT EINES OPFERS. Oder anders ausgedrückt: Wer ist schon gerne Loser?, dann doch lieber Täter: so ist man noch handlungsfähig, kann Entscheidungen treffen, etwas tun,… all das, was als Opfer nicht mehr möglich ist. Täter ist doch eigentlich eine coole Sache – wenn in Gedanken nicht immer das Wort „Gewalttäter“ mitschwingen würde. Das Wort Täter ist also genauso negativ besetzt wie die Bezeichnung „Opfer“. Und so steckt in jedem Täter ein Opfer – in jedem Opfer ein Täter – die eine Seite kann nicht ohne die andere.

UND WAS IST DAZWISCHEN? WAS IST ZWISCHEN OPFER UND TÄTER? Die Frage ging mir nicht aus dem Sinn; denn die Menschheit kann unmöglich „digital“ in Opfer und Täter aufgeteilt sein. Genauso wie es zwischen hell und dunkel, wach und müde, und all diesen Polen noch viele Schattierungen oder Übergänge gibt.

JENSEITS ALLER BEWERTUNGEN IST DER MENSCHEN EIN SCHÖPFERWESEN. Jemand, der seine Kraft und all sein Tun aus dem Herzen schöpft, bzw. der aus seiner Schöpferkraft heraus handelt; der seiner Intuition, seinem Seelenplan folgt und der aus Freude (er-)schafft. Dem es egal ist, was andere von seiner Arbeit halten, ob er belächelt oder bejubelt wird, der ganz bei sich ist und sich dem Fluss seines Handelns hingibt. Im Schöpfer steckt auch das Wort Opfer, denn der Schöpfer weiß um die Polaritäten. Er kennt den Schmerz, als er noch in unangebundenem Zustand war – und er weiß um seine Kraft, mit der Dinge bewegt werden können, von denen wir bislang nur träumten.

UND HIER LIEGT DER UNTERSCHIED VON SCHÖPFER UND TÄTER: ein Schöpfer handelt aus dem Herzen heraus, ein Täter aus dem Ego. Hier sind die Grenzen nicht in Stein gemeißelt: So kann aus einem Täter ein Schöpfer werden, wenn er sein Ego opfert und seine wahre Berufung gefunden hat. Und ein Schöpfer kann in einem unbewussten Moment in die Rolle des Täters zurückfallen. Es braucht demnach Bewusstsein – bewusstes Sein – mit Atmung und Fokus in seinen Herzraum, zurück auf seinen Seelenweg zu finden. Denn hier findet keine Wertung oder Be-Wertung statt, hier SIND wir, im Hier und Jetzt.

WIE WUNDERBAR PASSEN HIER DIE GEDANKEN VON ERICH FRIED: ein Gedicht, in dem es um den Kampf zwischen Herz und Verstand geht:

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft. Es ist was es ist, sagt die Liebe. Es ist Unglück, sagt die Berechnung. Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst. Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht. Es ist was es ist, sagt die Liebe. Es ist lächerlich, sagt der Stolz. Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht. Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung. Es ist was es ist, sagt die Liebe.

BLEIBEN WIR IN DER LIEBE, in der wertfreien Beobachtung dieser vielen Szenarien unseres Welten-Theaters. Bewahren wir uns einen liebevollen Blick und ein weites Herz – bevor wir uns der dunklen Seite zuwenden.

Irgendwie verrückt, wie der kurze Opfer-Dialog meiner Töchter zu einem Blog-Thema wurde – aber: es ist was es ist!

Mit einem tiefen Atemzug & Herzensgrüßen wünsche ich Dir einen lichtvollen Tag,

Deine Ann

 

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