KRUSTEN-MENSCH
ANNsicht N°6 - Dezember 2022
Heute noch erinnere ich den Schmerz: als kleines Kind vom Fahrrad gefallen, laut geweint (Kinder zeigen ihre Emotionen offen), blutende Knie, Krustenbildung, Heilung. Das ist der Zeitraffer – aber was geschieht wirklich in der Tiefe, wenn sich die Wunde langsam schließt und eine Kruste bildet? Welcher Prozess findet verborgen unter der harten Kruste statt? Wann löst sie sich, so dass sich neue, zarte Haut zeigen darf?
DIESE KRUSTE ERINNERT MICH AN DIE MENSCHHEIT, die sich wie eine Masse an Krustentieren roboterähnlich und hakelig umeinander bewegt – unfähig, aufeinander zuzugehen und sich mit warmherzigen Berührungen zu begegnen. Warum?
Leben für Leben haben wir versäumt, unseren emotionalen Verletzungen Aufmerksamkeit zu schenken, ihnen Liebe und Mitgefühl zu geben, so dass von Grund auf Heilung hätte stattfinden können. Wir haben es nie gelernt, es wurde uns nie beigebracht oder wir haben es ganz einfach vergessen. Und so werden wir dressiert, diverse Mäntelchen wie „denk positiv“ oder „Zeit heilt alle Wunden“ überzuwerfen. All diese leichten Mäntelchen sind zu einem dicken Krusten-Mantel mutiert. Der Schmerz bleibt, wird Layer für Layer zugeschüttet, bekommt kein Licht, um gesehen zu werden.
DIESER VERDICHTUNG FEHLT DIE DURCHLICHTUNG.
Bis zum heutigen Tag glauben wir, dass der Schmerz aus alten Zeiten geheilt sei. Ist er nicht. Er arbeitet in und gegen uns, wie ein mächtiger Eisberg, der unter der Wasseroberfläche gigantisch viel Raum einnimmt, unser Leben bestimmt und angstvoll leitet. Seit Ewigkeiten hat keine Heilung stattgefunden und wir Menschen bewegen uns umeinander wie Krustentieren, gefangen im Netz. Wir reiben und verhaken uns an der groben Kruste des Gegenübers, kommen nicht voran und beherrschen das Mäntelchen-Spiel perfekt… bis jetzt.
Die Masse der angestauten und unerlösten Emotionen in uns ist so gewaltig, dass wir das ganze Dilemma im Außen gespiegelt bekommen: Angst. Angst, dass das so wunderbar eingespielte Theaterstück durchschaut werden könnte, Angst, jemand könnte unter den Krusten-Mantel blicken und das wahre „Ich“ sehen, Angst, die Kruste könnte plötzlich aufbrechen…
DIE KRUSTE BRICHT! Und es ist ein gigantisches Geschenk an die Menschheit! Ein Aufbrechen – der Aufbruch zum „neuen Ich“ – sich in aller Wahrheit und Verletztheit zeigen, seine Wunden offenlegen. Diese Spannung, die eine Kruste mit sich bringt, nicht länger aushalten müssen. Und das einzige Mittel, diese Kruste aufzubrechen, ist die Liebe. Als mächtigste Kraft heilt sie in und aus der Tiefe heraus, so dick eine Kruste auch sein mag und wie lang eine Verletzung zurückliegt. Ebenso durchdringt sie die Kruste beständig und unaufhaltsam von außen, sie arbeitet sich bis zum Schöpferkern hin und strahlt von dort aus über Grenzen hinweg.
FÜR DIESEN PROZESS DÜRFEN WIR UNS BEREIT ERKLÄREN, Arme und Herzen öffnen, Liebe strömt von selbst. Sie findet jeden kleinsten Spalt dieser Kruste, um sie zu durchdringen. Im Grunde ist sie bereits überall, in und um uns herum. Begeben wir uns also in diesen Fluss, heilen, vergeben, blicken uns in die Augen und reichen einander die Hände. Welche Themen uns auch immer in die Spaltung geführt haben, es geht um Vergebung und darum, in Liebe zueinander zu finden. Ob wir es glauben oder nicht, auf übergeordneter Ebene sind wir von Anbeginn miteinander verbunden: also öffnen wir uns für das, was unseren tiefsitzenden Schmerz von außen triggert. Und seien wir uns bewusst, dass diese Wut, diese Verzweiflung nicht im Außen ist - sie ist in uns. Nur dort will sie endlich gesehen und wahrgenommen werden, so dass sie heilen kann. Ein liebevoller Blick dorthin, begleitet von tiefen Atemzügen, wirkt Wunder: Atem ist Leben.
DIE NATUR MACHT ES UNS VOR: ein verletztes Knie heilt aus sich selbst heraus. Unter dieser Schutz-Kruste findet ganz einfach ein „liebe-voller“ Heilungs-Prozess statt, ohne dass darüber debattiert wird, wann, wie lange und wodurch geheilt wird. Und wenn die Schutz-Kruste nicht mehr gebraucht wird, weil „das Neue“ stark genug ist, kann und darf die Kruste abfallen.
SEIEN AUCH WIR BEREIT FÜR HEILUNG aus uns selbst heraus – es braucht niemanden und nichts von außen, aber es braucht Selbstverantwortung, Bereitschaft, Offenheit und Vertrauen in die allumfassende Kraft der Liebe. Energie fließt dorthin, wo Aufmerksamkeit ist – weg von der Kruste, hin zur Heilung in Liebe. Beenden wir das Versteckspiel unter den krustigen Mänteln und gehen aktiv in die Veränderung - SIND die Veränderung.
Und haben wir diesen schweren Krusten-Panzer abgelegt, werden wir uns mit neuen Augen sehen: wie wir wahrhaftig sind: frei & liebevoll.
Mit einem tiefen Atemzug & Herzensgrüßen wünsche ich einen lichtvollen Tag
und FROHE GESEGNETE WEIHNACHTEN!
Deine Ann
Bring die Botschaft in die Welt
Wenn Dich meine ANNsicht inspiriert hat und Du sie mit jemandem teilen möchtest, dann empfehle meinen Blog gerne weiter und bring‘ meine Herzensbotschaften in die Welt!
Ideen, die bewegen, Bewegungen, die verändern, Veränderungen, die transformieren: aus der alten… in die neue Zeit.
Ich danke Dir!