DAGEGEN! ABER WOFÜR?
AnnSicht N°19 - Februar 2024
Heute schon demonstriert? An Ideen, in der heutigen Zeit gegen etwas zu sein, mangelt es nicht. Die vielen Bewegungen im Außen, ob Proteste, Demonstrationen oder auch Kriege, haben mich getriggert, diese flächendeckende Anti-Haltung zu beleuchten. Da ist Aufruhr, ein Lautwerden von Stimmen, Revolution und um dies nur gleich vorwegzunehmen:
ICH EMPFINDE FREUDE, fast schon Begeisterung, wenn alte Krusten aufbrechen, wenn wir uns wieder trauen, unsere Wahrheit auszusprechen und dafür einzustehen. Ja, ich wünschte mir sogar, dass sich jeden Tag mehr Menschen auf ihren Weg machen, denn hierfür haben wir uns einst entschieden – lange, bevor wir geboren wurden.
Die letzten Wochen ploppte bei mir eine Nachricht nach der anderen hoch: Bekannte riefen auf, mit einem lauten „Nein“ auf die Straßen zu gehen, sich zu widersetzen und gegen die viele Maßnahmen zu protestieren.
MEINE REAKTION WAR EBEN KEINE RE-AKTION, sondern ein fast schon beklemmendes Innehalten. Ich erinnere mich an das Jahr 2020 und die vielen Demonstrationen zu Beginn der ersten Schulschließungen: Man traf sich vor dem Rathaus und die anfänglich friedliche Zusammenkunft wurde mit jedem Treffen aggressiver und lauter. Ich ging nicht mehr hin. Zu viel persönlicher Frust, Wut, Ärger hatten sich bei den Demonstrierenden aufgestaut und so waren die Schulschließungen ein willkommenes Mittel, sich zu „entladen“. Die ursprüngliche Idee, Schulen offen zu halten, ging in lautem Getöse unter.
Was mich immer wieder innehalten lässt, ist das DAGEGEN. Es zeigt eine Haltung von: Dies gefällt nicht, das stört, ist falsch, jenes muss verboten werden, wenn nicht gar bestraft. Schon seit Jahren macht sich Empörung breit.
NATÜRLICH IST ES NACHVOLLZIEHBAR, dass der letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Nur die Wahrheit ist, dass ich selbst das Fass bin, das schon viel zu lange dicht gehalten hat. Das Überlaufen drückt sich offensichtlich in Wut und Empörung aus – aber worauf eigentlich? Auf den letzten Tropfen? Oder auf mich selbst, weil ich schon seit Ewigkeiten wie ein Schlafwandler durch das Leben gehe?
MACHT ES WIRKLICH SINN, immer wieder GEGEN etwas auf die Straße zu gehen, oder wie wäre die Idee, das übervolle Fass wahrzunehmen, zu leeren und FÜR etwas Neues aufzustehen?
Im DAGEGEN steckt der Widerstand, viele kleine Widerhaken, die keinen Raum für Fülle lassen. DAGEGEN ist voller Mühe, ein enormer Energieaufwand – und dann? Was siehst Du am Ende der DAGEGEN-Straße? Ist es der ersehnte Frieden oder sind wir womöglich in einer Sackgasse gelandet?
Im WOFÜR stehe ich auf und gehe mit einer neuen Idee in die Welt. Diese Idee, in Worte formuliert und im Gespür verankert, hat eine ganz besondere Kraft: Sie ist größer, leuchtender und nach vorne ausgerichtet. Kennst Du das Gefühl, wenn eine Windböe von hinten kommt und Du automatisch schneller läufst? Das ist das WOFÜR – im DAGEGEN bläst Dir der Wind ins Gesicht.
DAFÜR schenkt eine Perspektive und zeigt einen Weg auf. Dies bedarf einer achtsamen Innenschau: Was wünsche ich mir? Wofür begeistere ich mich? Wohin zieht es mich? Wie sieht die Welt aus, in der ich leben möchte?
Denn unsere Welt entwickelt sich in die Richtung, in die wir den Fokus setzen. Schon als junges Mädchen durfte ich den vielen Geschichten meiner Großtante lauschen und daraus lernen: Kriegszeiten, Vertriebene, keine Vorräte und eine Großfamilie, die zu ernähren war. Wir würden sagen: Schlimmste Voraussetzungen. Doch wussten meine Großtante und ihr Mann, mit dem sie innig verbunden war, stets, wofür sie lebten und fragte nicht, warum all dies geschah.
WARUM – blickt zurück: es WAR und ist RUM
WOFÜR – blickt nach vorne: Leben ist FÜR mich. Es darf die Frage gestellt werden, wofür etwas passiert ist und was ich daraus lernen kann. Im Erkennen und Annehmen liegt der Beginn des Wandels.
ALSO LENKEN WIR UNSEREN FOKUS AUF DIE BEGEISTERUNG. Auf das, was uns Freude bereitet und was wir uns sehnlichst wünschen. In diesem Zustand gibt es keine Mühe. Es kann mal anstrengend sein, aber es ist nicht wirkliche Mühe; ein Wort, das sehr wahrscheinlich vom Wort MÜSSEN abstammt. Mühe bleibt übrig, wenn die Begeisterung fehlt, wenn einfach kein Interesse mehr da ist und sich Müdigkeit einschleicht, neue Ideen umzusetzen.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich die Menschen kollektiv von ihrer ursprünglichen Begeisterungsfähigkeit weg entwickelt haben und sich deshalb keine eigenen Visionen für eine friedliche Welt entfalten können – der Dünger fehlt. Und es gibt viele verschiedene Dünger: Neben der Begeisterung ist es die Freude und das Bewusstsein für Selbstbestimmtheit.
WENN ICH DIESEN DÜNGER IN MIR ENTDECKE und zeitgleich erkenne, wie vielen es ebenso geht, entsteht augenblicklich ein ganz neues Miteinander.
In diesem Geiste friedlich & verbunden aufzustehen, hat eine Kraft, die keine Mühe kostet.
In diesem Geiste brauchen wir nie wieder gegen etwas demonstrieren, sondern erschaffen selbst und miteinander eine Welt, wie wir sie uns & unseren Kindern wünschen.
In diesem Geiste gibt es keine Abhängigkeiten und kein Warten auf etwas oder jemanden, der diese Herausforderungen für uns erledigt, weder in der Politik noch in einer Religion.
In diesem Geiste gibt es kein Oben und Unten, sondern ein Füreinander in beiderseitiger Hilfsbereitschaft, sowie ein wertschätzendes Miteinander auf Augenhöhe.
WIR SIND VIELE.
Sehr VIELE und noch VIELE mehr, als wir glauben.
UND WENN JEDER ERKENNT, WELCHES POTENTIAL IHN IHM STECKT und sich wahrhaftig mit seinen Themen wie Angst, Wut, Trauer, Ärger oder Frust auseinandersetzt, alte, verkrustete Schichten in sich aufbricht, neue Ideen pflanzt und diese mit Freude und Begeisterung düngt, bewegen wir mehr als jede Demonstration auf dieser Welt.
FRIEDEN BEGINNT IN MIR, mit der Nicht-Identifikation all der Tropfen, die das Fass zum Bersten bringen und mit bewusster Atmung. Ein paar kurze Pausen am Tag: Innehalten, beobachten und sich vom Geschehen im Außen entkoppeln. Möglicherweise ist ein Leben in Frieden viel einfacher, als uns mantraartig immer wieder erzählt wird.
Mit einem tiefen Atemzug & Herzensgrüßen wünsche ich Dir einen bewegten und lichtvollen Tag,
Deine Ann
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